Pflanzenblog - November 2021

Pflanzen vermehren: Das kleine 1x1

Monstera-Stecklinge in einem Wasserglas

Das Schöne an deinen grünen Freunden zuhause ist ja, dass sie lebendig sind. Sie wachsen, gedeihen, und manchmal machen sie Babys.

Und wenn nicht, dann kannst du etwas nachhelfen und deine Pflanzen vermehren, um sie an Freund:innen und Bekannte zu verschenken – oder deinen ganz persönlichen Dschungel zu vergrößern.

Also spitz die Ohren, hier kommen die besten Tipps von feey, wie du Zimmerpflanzen ganz einfach vermehren kannst, und bei welchen Pflanzen das am einfachsten geht.

Methode 1: Pflanzen vermehren mit Stecklingen

„Steckling“ bedeutet nichts Anderes als: Du nimmst einen Pflanzenteil und steckst ihn wieder in die Erde. Ta-da, da ist deine neue Pflanze.

Nicht so schnell! Steck die Schere wieder ein. Ein bisschen mehr musst du dann doch noch wissen.

Damit dein Steckling wächst, sind ein paar Schritte nötig.

Diese Pflanzen kannst du mit Stecklingen vermehren

Für viele, viele deiner grünen Mitbewohner ist es die beste Methode, deinen Dschungel zu erweitern. Mit einem Steckling vermehren kannst du zum Beispiel

Nicht geeignet ist deine Pflanze, wenn sie Samen bildet. Dann ist das ihre natürliche Fortpflanzungsmethode. Das ist zum Beispiel beim Nestfarn oder dem Streifenfarn der Fall.

Auch Bäume (Laub- und Nadelhölzer) werden schwierig. Du bräuchtest einen sehr langen Atem: Sie bilden erst etwa nach einem Jahr neue Wurzeln. Wenn du dir aber einfach mal experimentierhalber ihre Wurzeln anschauen möchtest, kannst du natürlich einen Zweig deines liebsten Oliven- oder Zitronenbaums ins Wasser stellen.

Der richtige Zeitpunkt, um Stecklinge zu schneiden und einzupflanzen

Im Frühjahr sind die meisten Pflanzen mitten in der Wachstumsphase und machen munter neue Triebe. Sie erholen sich dann gut von einem Schnitt. Auch der Steckling hat dann genug Power, schön anzuwachsen.

Deine Mutterpflanze sollte groß, stark und gesund sein. Vielleicht hast du sie im Vorjahr sogar schon mal zurückgeschnitten (zum Beispiel deinen Bonsai schneidest du ja regelmäßig).

Das brauchst du für die Operation Steckling

  • ein scharfes Messer, eine Pflanzenschere oder Gartenschere
  • einen kleinen Pflanzentopf oder eine Vase
  • Anzuchterde oder sonstige nicht-vorgedüngte Erde
  • eine Abdeckung aus Plastik, z. B. Küchenfolie oder ein Säckchen

Schritt 1: Wähle deinen Steckling weise

Bei den meisten Pflanzen ist dein idealer Steckling das letzte Stück eines Triebs: ein längerer Stängel mit Blättern. Schau, dass du einen „Knotenpunkt“ erwischst, also einen Trieb, an dem ein neues Blatt entstehen kann: Hat deine Pflanze Knospen und Luftwurzeln, sollte dein Steckling auch je mindestens eine haben.

Die Blätter nimmst du ansonsten größtenteils ab, damit sich dein neues Pflänzchen aufs Anwurzeln konzentrieren kann. Blätter haben außerdem unter der Erde nichts zu suchen. Dort verrotten sie und ziehen Schädlinge an. Nur ein, zwei Blätter ganz an der Spitze lässt du dran, damit dein neues Baby aus der Photosynthese Energie für die Wurzeln ziehen kann.

Bei anderen Pflanzen reicht es, ein Blatt ganz nah am Austrieb abzuschneiden (das ist dann dein Blattsteckling), und schon hast du die Basis für deine neue Pflanze. Die Sansevieria macht das zum Beispiel super mit.

Jetzt entscheide dich für deine zukünftige Pflanze. Der Trieb sollte gesund aussehen, nicht zu alt und nicht zu jung, und maximal 20cm lang sein.

Schritt 2: Schneidinstrument desinfizieren & Steckling schneiden

Bevor du losschnippelst, solltest du dein gewähltes Instrument desinfizieren. So verhinderst du, dass sich dein Steckling eine Krankheit einfängt. Der Saft von Pflanzen kann Viren und Krankheiten übertragen bleibt dieser am Schneidinstrument haften, steckst du möglicherweise andere Pflanzen an. Ein bloßes Abspülen mit warmem Wasser ist nicht effektiv.

Die Gartenschere musst du zunächst auseinanderschrauben. Danach legst du sie für mindestens 10 Minuten in ein Gefäß mit medizinischem Alkohol (Spiritus oder Isopropanol). Alternativ kannst du sie für etwa 10 Minuten in Wasser kochen. Wenn du gerne mit dem Feuer spielst, kannst du die Schere auch mit einem Feuerzeug vorne abbrennen. Dabei musst du darauf achten, dass du nicht zu nahe an die Plastikteile kommst. Aber Achtung: Metall wird generell sehr heiß!

Haushaltsscheren, Messer oder Pflanzenscheren kannst du mit etwas Alkohol abwischen. Wenn du sie bereits zur Behandlung von anderen Pflanzen verwendet hast, empfiehlt sich ein spezielles Desinfektionsmittel für Gartengeräte. Dieses ist im Fachhandel erhältlich und eignet sich besonders, wenn du Stecklinge mehrerer Pflanzen nacheinander schneiden möchtest.

Jetzt kannst du zum Schnitt ansetzen und deinen Steckling gerade abtrennen.

Die Schnittstellen lässt du ein paar Stunden trocknen. Du kannst sie auch mit etwas Zimt desinfizieren.

GIF, bei dem eine Schere einen Efeututen-Trieb abschneidet, der dann in ein Reagenzglas mit Wasser gestellt wird

Schritt 3: Wurzeln züchten

Damit sich dein Steckling in der Erde festklammern kann, kannst du ihn erstmal in ein Wasserglas und an einen hellen Ort stellen, bis er Würzelchen bildet. Das Wasserglas sollte so stehen, dass die Blätter des Stecklings die für sie optimalen Lichtverhältnisse genießen können. Das Glas selbst dunkelst du am besten ab, z. B. kannst du es mit ein wenig Papier umwickeln. So geht das Bewurzeln schneller.

Ein bisschen Geduld brauchst du aber trotzdem, nämlich je nach Pflanze etwa zwei, drei Wochen. Du hast keine Eile: Pflanzen fühlen sich in Wasser wohl, solange ihre Wurzeln nicht verletzt sind. Das Wasser solltest du regelmäßig wechseln. Falls die Wurzeln im Wasser faulen, merkst du das schnell. Dann wird das Wasser trüb, es setzt sich ein Belag an den Wänden des Gefäßes ab und es riecht nicht mehr sonderlich lecker. 🤮

Wie du deine Pflanzen in Wasser (also auch Stecklinge) am besten pflegst und Fäulnis vermeidest, liest du in unserem Blog zum Thema.

Bei einem leichten weißen Flaum um die Wurzeln musst du dir aber keine Sorgen machen. Das sind in den meisten Fällen Bakterien und ganz feine Wurzelhaare, die sich neu bilden. Abwaschen musst du diese glitschige Masse nicht. Auch wenn sich weiße, harte Stellen bilden, ist alles easy. Das wäre dann das sogenannte Kallusgewebe. Es entsteht, wenn sich Zellen stark vermehren und ist bei der Bewurzelung von Stecklingen ein gutes Zeichen.

Auch die Bewurzelung in Sphagnum-Moos ist eine tolle Methode. Sie ist für alle Pflanzen geeignet, die du auch im Wasser bewurzeln kannst. Das Moos machst du einmal ganz nass und drückst es dann vorsichtig aus. Dann kannst du es in einen Topf mit Löchern im Boden geben und dein Babypflänzchen hineinstecken. Halte das Moos fortan durchgehend leicht feucht, am besten mit einem Sprüher. Aber Achtung, bitte nicht übertreiben, das Wasser soll nicht im Anzuchttopf stehen.

Ob du deine Stecklinge in Wasser oder in Moos bewurzeln lässt, ist letztendlich reine Geschmackssache. 🤷🏻‍♀️

💡 Im Wasser und im Moos ist dein Steckling ready für ein richtiges Töpfchen mit Zimmerpflanzenerde, sobald sich seine Wurzeln mehrfach verzweigen und die Verzweigungen wiederum Verzweigungen haben oder die Wurzeln schon etwa 5-7cm lang sind.

Du kannst den Steckling aber auch direkt in die feuchte Erde tun, solange der obere Teil nicht zu schwer ist und den Steckling zu Fall bringt. Bei manchen Pflanzen funktioniert das auch mit Blattstecklingen, z. B. bei Sukkulenten. Dort lässt du die Schnittstelle zwei, drei Tage trocknen, und dann ab in die Erde mit dem Sukku-Steckling.

Tipp: Wie du den Steckling einer bestimmten Pflanze am besten bewurzelst, findest du in unserem Pflanzenlexikon.

Schritt 4: die richtige Babywiege

Das erste Zuhause deines Stecklings sollte ein kleines Anzuchttöpfchen oder eine Schale mit nährstoffarmer Erde (Anzuchterde) sein. Mit zu vielen Nährstoffen kannst du deinem Baby-Pflänzchen zu diesem Zeitpunkt den Garaus machen. Bei Sukkulenten ist Kakteenerde die beste Wahl.

Zu dem Pflanzen-Baby musst du jetzt besonders Sorge tragen. Es braucht Feuchtigkeit, Wärme und Licht, aber keine direkte Sonneneinstrahlung und keinen See im Topf. Wiederholen wir zusammen: „Staunässe ist unser größter Feind!“ Du kannst dem Pflänzchen nach dem Gießen Folie oder eine abgeschnittene PET-Flasche über den Kopf (sprich: die grünen Teile) stülpen, um die Luftfeuchtigkeit zu erhöhen. So machst du ein Mini-Gewächshaus. Das lüftest du jeden Tag, damit sich keine Feuchtigkeit staut. Wenn neue, grüne Triebe gewachsen sind, nimmst du den Plastik weg.

Jetzt beginnt das Geduldsspiel. Wurzeln ausbilden ist echt anstrengend und es dauert eine ganze Weile, bis sie stark genug sind, um so einen Pflanzenkopf sicher zu halten. No rush in the crib. Wenn du ungeduldig wirst, prüf zum Beispiel in unserem Pflanzenlexikon, wie lange deine Art dafür braucht. Manche Pflänzchen wurzeln nach ein paar Wochen, andere nehmen es gemütlich und brauchen ein paar Monate.

Sobald du das Gefühl hast, dein neuer grüner Mitbewohner ist gut angewurzelt und kräftig, kannst du ihn umtopfen. Wie das mit dem Umtopfen geht, zeigen wir hier in einem Video. Für den ersten Wachstumsschub kannst du ihm Dünger mitgeben.

Methode 2: Pflanzen vermehren mit Ablegern

Manchmal nimmt dir deine Zimmerpflanze die Arbeit ab. Wenn sie genug hat vom Alleinsein, züchtet sie sich einfach selbst ein Mini-Me. Mini-Me wächst dann irgendwo neben ihr im Topf, und wenn es größer wird, sieht es aus wie eine exakte Kopie der Mami-Pflanze. Nicht umsonst nennen Fachleute den Ableger auch „Kindel“.

Der Ableger kommt zwar aus dem Haupttrieb der Mutter, hat aber oft eigene Wurzeln. Das kannst du dir zunutze machen. Wenn der Jungspund kräftig genug aussieht, topfst du ihn einfach aus und in sein eigenes Zuhause um.

Wie machst du jetzt einen Ableger?

Willentlich kannst du das nicht herbeiführen – außer, die Macht ist mit dir. Aber Bromelien, UfopflanzenSukkulenten wie Elefantenfuß und Aloe vera, die Alocasia oder auch die Grünlilie und die Goldfruchtpalme machen ab und zu Ableger, wenn sie glücklich und zufrieden sind.

Und wie pflegst du deinen Kindel?

Das funktioniert ganz ähnlich wie mit Stecklingen. Je nach Pflanzenart ist dein Ableger noch mit der Mami-Pflanze verbunden, hat aber schon eigene Wurzeln. In diesem Fall schneidest du ihn wieder nah am Ursprung ab, sodass du ihn ganz erwischst, pflanzt ihn in Anzuchterde und hältst ihn dann feucht, ohne ihn gleich in Liebe (und Wasser) zu ertränken. Warm sollte er haben (nicht unter 19 Grad) und kein direktes Sonnenlicht abkriegen.

Viel Glück, du Pflanzenmama / Pflanzenpapa!

Wenn dich im Detail interessiert, wie das Baby-Machen bei deiner Pflanze geht, such mal nach ihr in unserem Pflanzenlexikon.

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